Die Region

Die Schorfheide ist Teil des UNESCO-geschützten Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin und das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Die verschwiegenen Wälder, die Seen und die Fließe machen den besonderen Reiz der Natur aus. Seit 2011 gehört der Buchenwald Grumsin zu den UNESCO-Weltnaturerbestätten. Der 400 Jahre alte Finowkanal ist Deutschlands älteste, aktiv genutzte Wasserstraße.

Inhaberin Billie Binder im ihrem Lokal Spiess-Burger in Finowfurt
Burgergericht auf einem Tisch im Spiess-Burger

Ein Besuch im Spieß-Burger bei Billi Binder

von Antje Qeißner

Es geht nach Finowfurt Burger essen. Der Spieß-Burger wurde mir schon öfter empfohlen und ich freue mich auch ganz besonders darauf, die Chefin Billi Binder kennenzulernen. Kommt sie doch aus Berlin-Pankow, aus demselben Bezirk wie ich also. Wir sitzen unter Sonnenschirmen und der Blick in die Karte lässt mein Herz höherschlagen. Hm … Doch dazu später.
 
Mit Billi Binder sitzt mir eine Frau gegenüber, die mit viel Liebe bei der Sache ist und genau hinschaut, wo die Zutaten herkommen. Ihr ist es wichtig zu wissen, wie die Tiere gehalten werden. Der frisch geerntete Salat kommt aus der Bio-Gärtnerei. Oft genug bleiben für Allergiker, Vegetarier oder Veganer im Burgerrestaurant bestenfalls Salat und Pommes. Nicht bei Billi Binder: Hier gibt es für alle köstliche Burger. Auch ohne Fleisch, ohne Gluten, völlig ohne tierische Produkte – hier kann sich jeder glücklich essen. Apropos Pommes. „Wir haben Pommes aus ganz Europa kommen lassen. 40 Sorten wurden durchprobiert, bis sogar die Kinder sagten, och, nicht schon wieder ... Aber wir haben die besten gefunden. Und was soll ich sagen: Sie kommen aus der Region“, so die Burger-Meisterin. Süßkartoffel-Pommes gibt es und Kartoffel-Heu. Zu klassischen Burgern, zu Burgern aus Huhn, aus Weideschwein oder Hummus. Der Buckower Speck ist mit Meersalz gepökelt (und nicht mit Nitritpökelsalz behandelt). Qualität, die man schmeckt. Der idyllische Biergarten ist gleich gegenüber der Kirche, doch auch bei bestem Wetter lohnt ein Blick in den liebevoll gestalteten Innenraum. Alles ist durchdacht und detailverliebt: Spielecke, Keramikgeschirr – vom Schleusenkeramik Atelier Laub & Forchner Eberswalde am Finowkanal nach Billi Binders Vorgaben gefertigt-, Tresen mit Festhalterinne. Die man angesichts des gut sortierten Getränkeangebots durchaus mal gebrauchen kann… Alles da, aber einen Hinweis gibt es: Bitte an Bargeld denken, Kartenzahlung ist hier nicht möglich.
 
Das Herzstück im Spieß-Burger aber ist die offene Küche. Ich sehe zu, wie mein Burger zubereitet wird. Welchen ich aus der verführerischen Karte gewählt habe? Die Entscheidung fiel schwer. Hawaii-Burger oder lieber mediterran? Es wurde schließlich der Wild-Burger, eine Premiere für mich. Und die Pommes dazu - einfach ein Traum. Billi Binder lächelt: „Beim Essen gibt es nicht viele Geheimnisse. Liebe ist die allerwichtigste Zutat.“

Ein Rezept verrät mir die Spieß-Burger-Chefin dann noch:

Schimmel-Büffel

Zutaten:

100g gehacktes vom Wasserbüffel, Freilandhaltung (alternativ reines Rindfleisch)
1 Prise Salz
1 Prise frisch gemahlener Pfeffer
½ Pfirsich in Scheiben geschnitten
1 Blatt frischer Salat (deutsch Eichblatt)
1 Walnuss als Bruch
½ Zwiebel
2 Schuss Cognac (1 für die Zwiebeln, 1 für den Koch)
1 Sesam- Burger- Brötchen
Gorgonzola
Creme fraiche

Zubereitung:

Der Gorgonzola wird im Wasserbad erwärmt und mit Creme fraiche cremig geschlagen. Die Zwiebeln werden in Scheiben geschnitten und mit dem Cognac abgelöscht- beide Zutaten abkühlen lassen. Das Fleisch wird von beiden Seiten scharf angebraten und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Der Pfirsich wird ebenfalls beidseitig angebraten. Das Burgerbrötchen beidseitig knusprig rösten.

Anrichten:

Die Brötchen werden auf den Innenseiten mit der Käsecreme bestrichen, der Salat dient als Schale für die Cognac-Zwiebeln. Das gebratene Fleisch-vorzugsweise saftig/medium- wird von dem gebraten Pfirsich gekrönt. Das i-Tüpfelchen bieten die Walnüsse. Den knusprigen Sesamdeckel oben auf... Guten Appetit.

Dazu passt perfekt ein trockener Rotwein... .

Bilder: Antje Queißner

Jürgen Bohm auf einer Kutsche in seiner Kutschensammlung
Ansicht vom Kutschenhof Bohm mit Kutsche und alter Fachwerkscheune
 
Kutschenhof Bohm - Stall und Entenfamilie

Der Herr der Kutschen

von Anke Bielig

Mit Stolz und Fürsorge bewegt sich Jürgen Bohm zwischen den Exemplaren seiner einzigartigen Sammlung, die inzwischen drei Scheunen seines Bauernhofes einnimmt.  Zu Kutschen und Wagen hat der Groß Schönebecker schon immer eine besondere Beziehung: „Meine erste Kutsche war der Zwillingswagen für meinen Bruder und mich“.

Der Zwillingswagen ist in der liebevoll eingerichteten Heimatstube zu bewundern, die zum Bauernhof gehört. Die Bohms sind dort bereits in der 5. Generation zu Hause, Jürgen Bohm ist im Haus geboren. Er hängt am Hof und an seinen Tieren – einer Milchkuh, zwei Pferden, drei Schweinen, fünf Katzen, Enten und Hühner – und er ist gern Groß Schönebecker. Seine Heimat verlassen hat er nur während der Lehrzeit zum Nachrichtentechniker.

Der Wunsch nach einer eigenen Kutsche begleitet ihn durch seine Kindheit. Im Alter von 16 Jahren kann er sich endlich diesen Traum mit der Übernahme einer Kutsche vom Nachbarn erfüllen – und sammelt weiter. Als Ergebnis seiner Sammelleidenschaft kann der 62jährige heute rund 120 Kutschen, Schlitten und Ackerwagen sein Eigen nennen.

Wahrscheinlich wären es sogar noch mehr geworden, wenn es da nicht das Platzproblem gäbe. „Briefmarken wären einfacher gewesen“ bringt es Jürgen Bohm auf den Punkt.
Für seine Gefährte hat er inzwischen zusätzlich zwei benachbarte Scheunen erworben und ausgebaut.

Seine neueste Errungenschaft ist ein belgischer Milchwagen. Die ausgestellten Variationen reichen von der klassischen weißen Hochzeitskutsche über luxuriöse Coupés mit Zentralverriegelung, Jagd- und Landwagen bis hin zu einem schwarzen opulenten Leichenwagen und einem speziell ausgestatteten Feuerwehrwagen. Sie stammen aus unter anderem Deutschland, Ungarn, Österreich und auch aus den USA. Die älteste Kutsche ist stolze 170 Jahre alt und beachtlich gut in Schuss.
Die Hochzeitskutsche wird regelmäßig von Hochzeitspaaren gebucht, die sich in Groß Schönebeck im Jagdschloss Schorfheide oder in der Immanuelkirche das Jawort geben.
Ähnliche Vielseitigkeit zeigen die Schlitten, die die Kutschen und Wagen bei winterlichen Verhältnissen ersetzten. Eine Vielzahl alter landwirtschaftlicher Geräte bildet eine weitere Abteilung des kleinen privaten Museums.

Was Jürgen Bohm dabei sehr wichtig ist: Er hat seine Sammlung mit eigenen Mitteln und aus eigener Kraft aufgebaut und engagierte Helfer im Ort gewonnen. „Ich will keinen Verein, keine Stiftung und auch keine Fördermittel. Ich will einfach so weiter machen.“

Die Besucher, die auf den Hof kommen, sind begeistert. Und dankbar – bei Älteren kommen oft Kindheitserinnerungen hoch und es wird emotional.
Für Begeisterung nicht nur bei den Ortsansässigen sorgt das traditionelle Erntedankfest, das zentral auf dem Hof gefeiert wird.
Dann kann man sich in traditioneller landwirtschaftlicher Arbeit versuchen, zum Beispiel beim Korndreschen. Die eigene Ackerfläche bewirtschaftet Jürgen Bohm bis heute ganz „altmodisch“.

Als das macht er neben seiner täglichen Arbeit beim Bauhof der Gemeinde Schorfheide. Den nächsten Meilenstein will er am 1. Dezember 2024 setzen. „Dann geh' ich in den Ruhestand und werd hauptamtlicher Museumsdirektor!“
Bis dahin werden bestimmt noch einige Kutschen dazu kommen.

Bilder: Stefan Escher

 

Ranger Tobias Wesebaum steht im winterlichen Wald
Blick auf das Bahnhofsgebäude in Groß Schönebeck in dem auch die Naturwacht ihren Sitz hat
Blick in den grünen Laubwald bei Schluft

Der Heimatverbundene - Ranger Tobias Wesebaum

von Anke Bielig

Tobias Wesebaum
Jahrgang 1985
Im Holzschuhmacherdorf Friedrichswalde aufgewachsen und zu Hause
Lieblingsgericht: Wildschweinbraten aus der Schorfheide
Lieblingsorte in der Schorfheide: die kleinen naturbelassenen Waldseen und-fließe wie das Döllnfließ

Die große Verbundenheit zur Natur bekam Tobias Wesebaum bereits in die Wiege gelegt. Die Familie bewirtschaftet einen Bauernhof, der Vater ist Forstarbeiter – beste Bedingungen für Tobias‘ Entfaltung zu einem echten Schorfheider Naturkind.
Die Liebe zur Natur führt den heutigen Ranger der Naturwacht bereits nach dem Abitur in ein praktisches Jahr an seinen späteren Arbeitsplatz. An der Hochschule für Nachhaltigkeit in Eberswalde erwirbt er das Rüstzeug für sein vielfältiges Aufgabengebiet, das er im Naturwachtstützpunkt im Groß Schönebecker Bahnhof, dem Endhaltepunkt der Heidekrautbahn, übernommen hat.
Den größten Teil des Tages ist Tobias Wesebaum draußen unterwegs, im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Hier erfasst er Arten in besonders geschützten Gebieten, unter anderem Fischotter und Biber, die inzwischen wieder in anständiger Zahl in der Schorfheide zu finden sind. Oft geht es aber um stark bedrohte Spezies, wie die Rohrdommel oder den Wachtelkönig, den er in letzter Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Ruhe und Geduld zählen dann zu den wichtigsten Eigenschaften eines Rangers, um die Anzahl der Tiere bestimmen zu können. Belohnt wird er nebenbei mit einzigartigen Naturbeobachtungen, wie spielenden Fischotterjungen oder einem Eisvogel, der nach Fischen Ausschau hält.

Die Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen und auch die Rangertouren, die Tobias und seine Kollegen mehrmals im Jahr anbieten, ermöglichen es, die junge Generation behutsam an die Flora und Fauna der Schorfheide heranzuführen und interessierten Wanderern und Radlern die großen und kleinen Naturwunder der Region zu zeigen. Geführte Wanderungen entlang des ehrwürdigen Alteichenpfades hinter dem Jagdschloss Hubertusstock stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste.
Einen Teil seiner Freizeit verbringt der Ranger auf dem Hochsitz, um die Natur zu genießen und auch zur Jagd – kein Widerspruch für den besonnenen und verantwortungsvollen Naturschützer. Der nächste Wildschweinbraten schmort sicher bestimmt bald im Ofen.

Bild Portrait: Frank Günther
Bilder Bahnhof Groß Schönebeck, Waldlandschaft: Anke Bielig

 

Die Kapitäne Otfrid und Robert Wiedenhöft auf dem Dampfer Altwarp
der Dampfer Altwarp im Hafen an der Nordspitze des Werbellinsee mit Fahrgästen
der Dampfer Altwarp auf einer sommerlichen Fahrt über den Werbellinsee

Die Traditionellen - Otfrid und Robert Wiedenhöft

von Anke Bielig

Otfrid und Robert Wiedenhöft
Jahrgänge 1948 und 1977
in Altenhof in der Schorfheide geboren
Wohnort: Joachimsthal
Lieblingsgericht: Aal grün oder Maräne, frisch aus dem Werbellinsee
Lieblingsort in der Schorfheide, da sind sich die beiden einig: der Werbellinsee, Arbeits- und Erholungsort in einem

Los geht es. Das Schiff nimmt Fahrt auf, blaugrün schimmert das klare Wasser des Werbellinsees. Ein sanfter Fahrtwind umweht die Gäste auf dem Deck, die entspannt zurückgelehnt der Stimme des Kapitäns lauschen. Die gehört Otfrid Wiedenhöft. Seit mehr als 50 Jahren steuert er die Altwarp über die ringsum von Wald umgebene Naturschönheit. Einen Großteil des Jahres ist er täglich auf dem Wasser und kennt die Geschichte des Werbellinsees und der Schorfheide wie seine Westentasche. Langweilig wird es deshalb aber für ihn nicht. „Der See ist keinen Tag gleich“ sagt er, „aber jeden Tag für mich der schönste Arbeitsort.“ Und das glaubt man ihm sofort, kommen doch seine Gäste hierher, um an diesem schönen Fleckchen Erde ihre Urlaubstage zu genießen. Einblicke und Anekdoten gibt der Ur-Schorfheider während der Fahrt gern an seine Gäste weiter. Und die bringen nicht selten ihre eigene Geschichte mit, von einer Fahrt mit der Altwarp in der Kindheit oder von früheren Ausflügen an den Werbellinsee.

Die Reederei der Familie Wiedenhöft gehört ganz sicher zu den Traditionsunternehmen in der Schorfheide. Bereits die vierte Generation lenkt die inzwischen historischen Schiffe. Sohn Robert Wiedenhöft setzt, nach seinem Wirtschaftsstudium, die Familientradition des Schiffsführerstandes fort. Am Steuer stand er schon als Kind, neben seinem Großvater Günther Wiedenhöft. Die Begeisterung für die Arbeit auf dem Wasser hat den lebhaften Mann mit dem sonnigen Gemüt nicht losgelassen. Und das spürt man, wenn er von seinem See erzählt.
Vater und Sohn ziehen an einem Strang und sind ein eingespieltes Team – im Sommer auf dem Wasser, aber auch im Winter, wenn ihnen die beiden alten motorisierten Damen handwerklichen Einsatz abverlangen.
Die größere Altwarp, Baujahr 1935, ist der klassische Ausflugsdampfer, der von Ostern bis Oktober mit entspannten Gästen an Bord seine Runden über den 13 Kilometer langen eiszeitlichen Rinnensee und den sich anschließenden Werbellinkanal zieht. „Ein besonderes Schiff – alt, aber mit Seele“ sagt Otfrid Wiedenhöft. Und das soll auch so bleiben, solange die Altwarp so gut in Schuss ist.
Auf dem zweiten, kleineren Schiff, der Karl-Friedrich-Schinkel, können sich Paare das Jawort geben und mit ihren Gästen in besonderem Ambiente feiern. Auch für andere Anlässe ist das schwimmende Standesamt ein gern genutzter Ort.
Da ist natürlich weibliches Organisationstalent gefragt. Das bringt Otfrids Frau Rosemarie mit. Seit 1977 ist die gelernte Erzieherin offizielles Besatzungsmitglied und kümmert sich mit viel Liebe um das Wohl der Ausflügler. Auch die Enkelkinder sind so oft es geht mit dabei. Die fünfte Generation steht also in den Startlöchern – ganz nach Tradition.

Bild Portrait: Frank Günther
Bilder Werbellinsee: Michael Mattke

Susanne und Mike Schmidt - die Inhaber der Bungis am Grimnitzsee
Ein roter Bungis-Bungalow mit Sonnenschirm auf der Terrasse
Gäste spielen bei den Bungis Adventure-Minigolf
Blick auf den Grimnitzsee mit Badegästen

Bungis - von Berlin an den Grimnitzsee

von Anke Bielig

Eigentlich war für die Schmidts im Leben alles gut sortiert und aufgebaut.
Mike und Susanne leben mit ihren zwei Töchtern in Schildow im Mühlenbecker Land. Mike ist Unternehmer und Susanne arbeitet als Bürokauffrau. Mit der Geburt der
beiden Töchter widmet sie sich ganz der Familie. Dann aber beginnt die Sehnsucht nach neuen Aufgaben.
Da kommt vor 9 Jahren die Gelegenheit recht, dass 16 sanierungsbedürftige Bungalows im Feriendorf am Grimnitzsee zum Verkauf stehen - die Chance zur Selbstverwirklichung!
Die Liebe zur Schorfheide und dem See war schon vorher gewachsen. Für Mike bereits in der Kindheit, im Wochenenddomizil der Familie am Grimnitzsee, für Susanne mit der Liebe zu Mike.
Die Entscheidung des Familienrats war schnell gefällt: „Wir kaufen die Bungalows!“

Mit dem Know-How aus vorangegangenen Bauprojekten brachte Mike wertvolle Erfahrungen und Kontakte für dieses Vorhaben mit. Im Herbst 2014 begann die Sanierung und bereits zum Herrentag 2015 zogen die ersten acht Familien in die modernen und komfortablen Bungalows - die Bungis - ein, um eine Auszeit am Grimnitzsee zu genießen. Auch die Schmidts selbst verlagerten ihren Lebensmittelpunkt komplett nach Joachimsthal. Die Schorfheide ist nun das Zuhause, nahe der Bungalows. Weg wollen sie hier nicht mehr.

Mit dem Sepia wurde 2016 die Anlage um ein Bistro mit großzügiger Außenterrasse erweitert. Die große Nachfrage hat das Sepia zu einem Anlaufpunkt für leckere Pizzen aus dem Steinofen, frisch gebackene Waffeln und Softeis gemacht. Nur ein Jahr später begrüßte Bungis Adventure MiniGolf, eine 18 Loch-Bahn auf 2500 m² mit Wasserelementen, Hügeln und Felsen, die ersten Gäste.
Heute wird das liebevoll gestaltete Bungis-Areal von großen und kleinen Gästen rege genutzt und geschätzt. Markenzeichen ist das Duzen aller Gäste im Bungis Feriendorf.
„Das macht alles gleich familiärer und man hat das Gefühl man kennt sich bereits, wenn die Gäste ankommen“ erklärt Susanne. Die begeisterteNaturfotografin ist in ihrer Freizeit
oft in der Region unterwegs und teilt ihre wunderschönen Schorfheide-Bilder gern in den sozialen Medien. Und Mikes Hobby? „Projekte, Projekte, Projekte“
meint Susanne dazu, „Mike liebt es zu rechnen, zu planen und detailliert Einrichtungen zu erstellen“.
Und das bestätigt auch der neueste Zugang der Bungis-Erlebniswelt - die Peter Pans Indoor-Spielwelt. Dort ist die Schlechtwettervariante für Adventure-Minigolf zu finden. Oder man rätselt sich im Team durch einen Komplex von 14 Mission Rooms.

Privat macht die ganze Familie regelmäßig Ausflüge zum Erlebnisort Ihlowberge oder dem Krummen See, wandert auf den Wegen nahe dem Jagdschloss Hubertusstock und liebt die Weite des Grimnitzsees bei einem Spaziergang.
Man darf gespannt sein, wie das Erfolgskonzept der Bungis weitergeschrieben wird – an Visionen und Ideen für die Zukunft mangelt es jedenfalls nicht.

Bild Portrait: Stefan Escher
Bilder Bungis: Susanne Schmidt

Ranger Tobias Wesebaum steht im winterlichen Wald
Ein Blick von der Flyerwand auf den Empfangstresen der Tourist-Info
Regionales Handwerk in der Tourist-Information in Groß Schönebeck

Die Urlaubsbegleiterinnen

von Anke Bielig

Sie sind die Urlaubs- und Ausflugsexpertinnen für die wald- und seenreiche Schorfheide und das weiße i auf roten Grund weist den Weg zu ihnen. Manuela Paetzel, Regina Becker und Maren Dossow stehen in der Tourist-Information, die in Groß Schönebeck ihren Sitz hat, ihren Gästen mit Rat und Tat zur Seite, egal ob es um einen Tagesausflug geht oder um den perfekten Urlaubstag.

Was alle Drei verbindet: Die Liebe zum Kontakt mit den Gästen und ihr Herz für die Schorfheide. Oft sind sie für die Besucher der erste Anlaufpunkt in der Region, ein Aushängeschild und Schorfheidebotschafterinnen. Langweilig wird es dabei nie. „Viele kommen bereits gut informiert zu uns“, sagt Maren Dossow, „aber auch im digitalen Zeitalter sind der persönliche Service und die Geheimtipps aus erster Hand gefragt und willkommen.“ An der großen Schorfheide-Karte lässt sich ein Tourentipp dabei am besten erklären. Das Wissen stammt aus unzähligen Rad- und Wandertouren, die die Schorfheiderin fast jedes Wochenende unternimmt.

Das Damen-Team der Tourist-Information sorgt auch im Hintergrund dafür, dass man sich vorab online aktuellen und vor allem verlässlichen Input zur Schorfheide holen kann. Der Umgang mit Datenbanken und Content Management gehört inzwischen genauso zum Arbeitsalltag wie das persönliche Gespräch. „Damit wir immer auf aktuellem Stand sind, ist die Verbindung zum Gastgeber genauso wichtig wie die zu den Urlaubern. Wir sind hier sozusagen die Schnittstelle“ berichtet Regina Becker, die den Kontakt zu den Gastgebern und Ausflugszielen der Region hält und dafür sorgt, dass auch dort Aktuelles und Wissenswertes zur Schorfheide für die Gäste bereit liegt.

Genauso gefragt wie die individuellen Tipps des engagierten Trios sind Urlaubsandenken aus der Schorfheide. Manuela Paetzel kümmert sich um die Auswahl der Produkte für den kleinen Souvenirshop in der Tourist-Information: „Unseren Gästen ist es wichtig, dass nicht nur ‚Schorfheide‘ drauf steht, sondern auch ‚Schorfheide‘ drin ist.“ Inzwischen umfasst die Liste mehr als 25 regionale Produzenten, die ihre Handwerkskunst aus Wollfilz, Holz, Keramik oder Glas, Honig, Senf, Kaffee und Hochprozentiges oder handgemachte Seife in Groß Schönebeck zum Verkauf anbieten. Schorfheide schmecken geht natürlich auch gleich vor Ort. Die in Schluft kreierten Kaffeevariationen genießen Besucher gern auf der Sonnenterrasse vor dem Gebäude.
Denn die Lage der Tourist-Information auf dem Areal des Jagdschlosses Schorfheide sorgt dafür, dass sich die Gäste nicht nur gern in der Tourist-Information aufhalten, sondern den kleinen, feinen Schlosspark und die Ausstellungen für sich entdecken.

Und wenn der eigene Urlaub ansteht: Egal wohin es geht, ein Besuch in der örtlichen Tourist-Information steht auf jeden Fall auf dem Programm – eine gemeinsame „Berufskrankheit“, wie sie einstimmig sagen. Und auf dem eigenen PKW ist der Schorfheideaufkleber immer mit dabei.

Bilder: Stefan Escher

 

Martin Melzow und Michael Puhr auf dem Steg des Strandbades am Werbellinsee
Ein Blick von der Flyerwand auf den Empfangstresen der Tourist-Info
Regionales Handwerk in der Tourist-Information in Groß Schönebeck

Die Kräuterfrau von Joachimsthal

von Marcus Fitsch

Die Schorfheide ist für Marita Witte nicht nur Heimat und Zuhause. Sie ist ein unerschöpflicher Quell wertvoller Naturschätze. Denn: Die Joachimsthalerin kennt hier wohl jedes Kraut, und sie weiß, wogegen es gewachsen ist. Ihr Wissen teilt die Kräuterexpertin gern mit jedem, der bereit ist mehr zu erfahren über die heilende und wohltuende Wirkung unserer heimischen Pflanzenwelt.

„Bewegt man sich aufmerksam durch die Natur, merkt man schnell, dass sich durchaus das ganze Jahr über jede Menge Essbares finden lässt“, erklärt Marita Witte, als sie gleich zwei Teekannen auf den Tisch stellt. Im Wohnzimmer des kleinen Häuschens herrscht eine heimelige Atmosphäre. Gastfreundschaft wird hier großgeschrieben. Von der vermeintlichen Brandenburger Zurückhaltung keine Spur. Der Tee, den Marita Witte heute serviert, ist selbstverständlich aus eigener Herstellung. Holunderblüte gibt es heute, geerntet im vergangenen Sommer, und Melisse aus dem großen Kräutergarten hinter dem Haus. „Melisse muss schonend getrocknet werden, im Ofen, bei 60 Grad, nur so bleiben die ätherischen Öle erhalten.“, erklärt die 64-Jährige.

Was den Umgang mit Kräutern und Heilpflanzen angeht, sucht die Joachimsthalerin hier in der Schorfheide ihresgleichen. Witte studiert sie bereits seit 40 Jahren. Dabei gilt die Regel: Jedes Jahr drei neue Kräuter. Angefangen habe sie dabei mit den Klassikern, mit Thymian, Salbei, Lorbeer. Schon bald seien mehr und mehr hinzugekommen. „Kräuter und Heilpflanzen richtig kennen zu lernen - das sind Welten.“, erklärt Marita Witte. Ihr umfangreiches Wissen erschließt sie sich autodidaktisch, zum Beispiel aus den mittelalterlichen Überlieferungen Hildegard von Bingens und sie taucht ein in Welt die Signaturenlehre, nach der das Aussehen von Heilpflanzen auf ihre heilenden Eigenschaften hindeutet. Salbei, in Form der menschlichen Zunge, ist gut für Hals und Rachen, Thymian, verzweigt und verästelt wie unsere Bronchien, eine Wohltat für Lunge und Atemwege.

Beinah jedes Kraut findet auch in der Küche Verwendung. Und Marita Witte kocht leidenschaftlich gern. Lange ist es sogar ihre Profession. Sie arbeitet im Familienbetrieb ihrer Eltern, dem in der Gegend beinah schon legendären Schmalfelds Restaurant und Eiscafé. 1995 übernimmt sie schließlich die Geschäftsführung. Das Restaurant versorgt Ausflügler genauso wie Einheimische und muss sich, um auch in den Jahren nach dem Mauerfall erfolgreich zu bleiben, nicht selten neu erfinden. „Zwischenzeitlich haben wir sogar Döner verkauft“, lacht die Joachimsthalerin, „erfinderisch war die Familie schon immer. Man sollte sich nie dagegen sperren, etwas Neues auszuprobieren.“ Der Schorfheide blieb Marita Witte fast ihr ganzes Leben lang treu - abgesehen von einigen aufregenden Jahren in Ostberlin, wo sie Ende der 70er-Jahre als Kellnerin im zu DDR-Zeiten berühmten Palasthotel arbeitet. Doch so spannend das Stadtleben auch ist, es dauert nicht lang und sie vermisst ihre Heimat: „Oft bin ich spontan für einige Stunden nach Hause gefahren, nur um ein bisschen Zeit in der wunderschönen Natur zu verbringen. Nach der Ausbildung war klar, dass ich so schnell wie möglich zurückkehre.“ Ihre Leidenschaft für Kräuter- und Heilpflanzen beginnt als Hobby, neben dem Beruf. Sie legt sich ihren eigenen Kräutergarten an, erweitert ihr Wissen auf Streifzügen durch die Wiesen und Wälder vor der eigenen Haustür.

Mittlerweile haben ihre zwei Söhne den Betrieb übernommen. Nur das Eiscafé ist übrig, noch immer ein beliebter Anlaufpunkt im Ort und darüber hinaus. Das Hauptgeschäft des Familienunternehmens machen heute täglich bis zu 250 Portionen Essen aus, die an die umliegenden Kindertagesstätten geliefert werden. Natürlich dürfen auch hier die liebevoll selbstgezogenen Kräuter, Gewürze und Blüten nicht fehlen. „Nicht immer wird Kindern die Ernährung zuteil, die sie wirklich brauchen. Ich finde es gut, wenn wir dazu beitragen können, das zu ändern“, freut sich Marita Witte, während sie eine große Handvoll essbarer Taglilienblüten sammelt und muss dann schmunzeln: „Und was nicht verbraucht wird, geht einfach an andere Gastronomen. Bloß nichts verschwenden!“ Zu Ihren Abnehmern gehören sogar Restaurants wie die Kochkommode in Eberswalde, die neu interpretierte Wirtshausgastronomie anbietet.
In der Küche steht Marita Witte heute nur noch privat. Umso mehr Zeit bleibt für ihre Leidenschaft. Und die teilt sie leidenschaftlich gern. Auf Kräuterwanderungen und in spannenden Vorträgen vermittelt sie ihre Welt der Kräuter und Heilpflanzen jedem, der sich dafür begeistern kann. Auf Wunsch natürlich auch in wunderschönster Schorfheider Natur.

Möchten Sie eine Einführung in die Kräuterlehre buchen?
Dann kontaktieren Sie Marita Witte unter der Telefonnummmer 033361 . 70 685 oder
mobil 0173 . 16 38 971 oder fragen Sie in der Schorfheide-Info Joachimsthal nach.

Bilder: Stefan Escher

 

Martin Melzow und Michael Puhr auf dem Steg des Strandbades am Werbellinsee
Ein Blick von der Flyerwand auf den Empfangstresen der Tourist-Info
Regionales Handwerk in der Tourist-Information in Groß Schönebeck

Zwei, die auszogen, um die *zeit zu finden

von Marcus Fitsch

Das seezeit-resort gehört zu den ambitioniertesten Tourismus-Projekten der Region. Auf einer Fläche von über 100 Hektar ist Platz für bis zu 1.200 Gäste - von der Schulklasse bis zum Individual-Urlauber. Martin Melzow und Michael Puhr lenken hier die Geschicke. Die Vision der beiden Brandenburger bestimmt nicht nur die Gegenwart und Zukunft der Ferienanlage. Sie beschäftigt sich auch mit der Frage: Wie umgehen mit ihrer Geschichte? Denn einst war das Areal direkt am Ufer des Werbellinsees eines der prestigeträchtigsten Freizeitobjekte der ehemaligen DDR.

Pionierrepublik Wilhelm Pieck, so hieß das Areal am Ostufer des Werbellinsees beinah 40 Jahre lang. Ein Name, weithin bekannt, über die Grenzen der Schorfheide hinaus. Die Pionierrepublik war nicht einfach nur ein Ferienlager, viel mehr das Ferienlager der DDR. Wer hierhergeschickt wurde, durfte sich glücklich schätzen. Denn den erwarteten Sommerferien der sozialistischen Extraklasse.
„Es gab hier alle Neuerungen der DDR und eine Menge Annehmlichkeiten, die man sonst oft vergeblich suchte. Farbfernseher, Telefone, ein eigenes Kino, eine Freilichtbühne.“ Gemütlich spazieren Martin Melzow und Michael Puhr an diesem sonnigen Herbstnachmittag durch ihr Reich. Die Hauptsaison ist gerade vorbei. Es ist ruhiger geworden, kein Vergleich mehr zum ausgelassenen Trubel, der hier im Hochsommer herrscht. 2021 traten die beiden im seezeit-resort, so heißt das Gelände heute, ihren Dienst an. Der eine als Betriebsleiter, der andere als Marketingchef. Ein eingespieltes Team, das merkt man sofort, wenn die beiden über ihre Arbeit sprechen. „Natürlich sind die alten Zeiten längst vorbei, aber wir fanden es immer wichtig, uns aktiv mit der Geschichte dieses Ortes auseinanderzusetzen. Es gibt von diesen alten Ferienlagern nur noch wenige, die so gut erhalten sind. Und darauf kann man aufbauen, auch wenn etwas Neues entstehen soll.“

Noch immer umweht ein Hauch Nostalgie, ein Hauch Vergangenheit den weitläufigen Ferienpark. Die ersten Gebäude, umgeben von idyllischer Natur, entstanden bereits in den 1950er-Jahren. Die meisten werden auch heute noch genutzt. „So gut wie alles, was hier gebaut wurde, steht unter Denkmalschutz. Das bringt vor allem in Sachen Umbaumaßnahmen natürlich jede Menge Herausforderungen mit sich, sorgt aber auch für einen ganz einzigartigen Charme“, erklärt Michael Puhr. Der Uckermärker arbeitete gerade in einer Schweizer Werbeagentur, als er auf eine Stellenanzeige stieß und sich kurzerhand bewarb. „Schon als ich das Gelände zum ersten Mal betrat, sprudelten die Ideen nur so aus mir heraus.“
Seitdem versuchen er und Martin Melzow das Objekt Schritt für Schritt zukunftsfähig zu machen. Das Kerngeschäft des Unternehmens soll dabei erhalten bleiben. Gruppenreisen, Schulfahrten, Ferienlager. Bei einer Kapazität von über 1200 Betten sei das nur konsequent, erklärt Martin Melzow, aber damit würde man eben noch lange nicht das volle Potential ausschöpfen. Immer mehr Individualtouristen finden ihren Weg ins seezeit-resort, Familien, vor allem aus dem nur 60 Kilometer entfernten Berlin, auf der Suche nach ein wenig Ruhe und Abwechslung vom lauten Großstadtalltag. Und: gerade wird der Bau eines neuen Tagungshotels geplant. Eine Reaktion auf die immer zahlreicher werdenden Anfragen von Firmen, hier in der Schorfheide Retreats und Seminare abzuhalten. Es ist viel in Bewegung.

Martin Melzow und Michael Puhr sind mittlerweile am Strandbad, einem absoluten Highlight ihrer Ferienanlage, angekommen. Vor ihnen erstreckt sich friedlich der Werbellinsee. Gerade an heißen Tagen tummeln sich hier unzählige Feriengäste.
Martin Melzow begleitet die ehemalige Pionierrepublik schon sein ganzes Leben, schließlich stammt er ganz aus der Nähe. Eigentlich wollte der Joachimsthaler gerade als Gastro-Coach durchstarten, als er abgeworben wurde und seine Pläne über den Haufen warf.
„Als ich meine Arbeit hier begann, war es den Eigentümern vor allem wichtig, dass ein schlüssiges Konzept entsteht“, erinnert sich Melzow. „Seit der Wende war hier einfach viel zu viel Unruhe drin.“ Wurde zu Ostzeiten noch Staatsmännern und Westdelegationen öffentlichkeitswirksam präsentiert, wie schön und erstrebenswert das Leben im Sozialismus war, hinterließen die Nachwendejahre auch hier deutliche Spuren. Alles, was zu sehr nach DDR aussah, sei entfernt worden, erzählt Melzow. Zwar sei der Betrieb nie zum Erliegen gekommen, es habe aber eben eine Vision gefehlt.

„Unser Wunsch für die Zukunft ist es, alles, was wir hier auf dem Gelände haben, auch wieder bewirtschaften zu können. Und bei der Menge an Gebäuden ist da ist noch jede Menge Luft nach oben“, erzählen die beiden am Ende ihres Rundgangs. Beinah 100 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in der Hochsaison, dann laufen auch die beiden Großküchen auf Vollbetrieb. Ziel sei es, auch in der Nebensaison mehr potentielle Gäste auf sich aufmerksam zu machen. Zum Beispiel mit individuellen Bildungsangeboten, als außerschulischer Lernort für Musik- oder Sprachkurse. Auch im Veranstaltungssektor wolle man sich breiter aufstellen. 2024 wurde mit dem COMM:UNITY ein Musikfestival auf dem Gelände ins Leben gerufen. Der Andrang war groß.

„Mit der Region Schorfheide befinden wir uns an einem Standort, der immer mehr Touristen anlockt, davon profitieren wir. Wir würden uns freuen, wenn die Region im Gegenzug auch von uns profitieren kann.“ Am Schluss verrät Martin Melzow noch ein kleines Geheimnis: „Um an die Geschichte der Pionierrepublik zu erinnern, entsteht hier bald ein kleines Museum. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir dafür auch die große Bronze-Statue von Wilhelm Pieck zurückbekommen, die einst hier auf dem Gelände stand.“ Der wird sich wundern, was in der Zwischenzeit hier alles passiert ist.

Bilder: Stefan Escher